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Die Ansichten und Aktionen unseres Unternehmens zum Thema Klimawandel stehen im Mittelpunkt eines Interviews, das Sherri K. Stuewer, Vice President Health, Safety & Environment, dem ExxonMobil Shareholder-Magazin "The Lamp" gab. Hier das Interview in ungekürzter Übersetzung.
Die öffentliche Sorge im Zusammenhang mit dem Klimawandel wächst. Teilen Sie diese? Sherri K. Stuewer (SKS): Wir setzen uns mit diesem Thema seit über zwei Jahrzehnten auseinander, und so können wir die gegenwärtigen Befürchtungen sehr gut nachvollziehen. Zwei unserer Wissenschaftler sind federführend an den Berichten des IPCC (Intergovernmental Panel on Climate Change) beteiligt, so dass wir direkt am internationalen politischen Austausch mitwirken. Aufgrund dieser Erfahrungen stufen wir den Klimawandel als eine wesentliche globale Entwicklung ein, die möglicherweise ernsthafte Risiken für Mensch und Ökosysteme mit sich bringt. Wir nehmen das Thema sehr ernst und arbeiten eigenverantwortlich und auch gemeinsam mit Partnern an Ansätzen, die diese Risiken verringern und zugleich wirtschaftliches Wachstum und gesellschaftlichen Fortschritt unterstützen. Wie sehen Sie den aktuellen Stand der Klimaforschung und die Notwendigkeit, die vom Menschen verursachten Treibhausgasemissionen zu verringern? SKS: Klimaforschung ist weitaus komplexer als die vereinfachten Modelle, die wir in vielen Medienberichten finden. Wir wissen, dass sich das Klima auf der Erde während des letzten Jahrhunderts um 0,7 Grad Celsius erwärmt hat und dass weltweit viele Ökosysteme, einschließlich der Polarzonen, Zeichen der Erwärmung zeigen. Der Ausstoß von Kohlendioxid (CO2) hat sich im Laufe dieser Zeit erhöht, was zu einem erheblichen Teil auf die Verbrennung fossiler Stoffe zurückzuführen ist. Es besteht also die Gefahr, dass menschliche Aktivitäten wie die Verwendung fossiler Brennstoffe und Veränderungen in der Landnutzung zum Klimawandel beitragen. Daher ist es ratsam, Strategien zu entwickeln und umzusetzen, um diesen Risiken zu begegnen. Zugleich müssen wir weitere Anstrengungen in der Klimaforschung unternehmen, damit Maßnahmen und Strategien einer verbesserten Kenntnis der Risiken angepasst werden können. Die ExxonMobil Energieprognose geht von einem Anstieg der CO2-Emissionen von nahezu 40 Prozent bis 2030 aus. Worauf ist diese Zunahme zurückzuführen? SKS: Mit dem Bevölkerungs- und Wirtschaftswachstum nehmen der Energieverbrauch und damit die CO2-Emissionen zu. Etwa 80 Prozent des zu erwartenden Anstiegs der Emissionen werden voraussichtlich auf Entwicklungsländer wie China und Indien zurückzuführen sein, als Folge des wirtschaftlichen Wachstums und Aufbaus in diesen Ländern. Man sollte nicht vergessen, dass 2,5 Milliarden Menschen heute noch der Zugang zu moderner Energieversorgung versagt ist. Diese Wachstumserwartungen, die mit anderen Prognosen übereinstimmen, illustrieren die zukünftige Herausforderung. Sie besteht darin, eine wirksame Emissionsreduzierung zu erzielen, während sich die Entwicklungsländer bemühen, ihrer Bevölkerung die Lebensqualität zu verschaffen, die wir in den Industrienationen als selbstverständlich ansehen.
Kann es eine wirksame Emissionsreduzierung ohne Beteiligung der Entwicklungsländer geben? SKS: Die Industrieländer verfügen sicherlich über viele Möglichkeiten zur Emissionsreduzierung, durch die der Anstieg der weltweiten Treibhausgasemissionen gebremst werden kann. Wenn man allerdings davon ausgeht, dass der Anteil der Entwicklungsländer am weltweiten Energieverbrauch bis 2030 von derzeit 50 Prozent auf fast 60 Prozent ansteigen wird, dann erscheint eine substanzielle Verringerung der weltweiten Emissionen ohne Beteiligung der Entwicklungsländer, in denen die Emissionen ja am stärksten zunehmen, nicht sehr realistisch. Was lässt sich durch die Weiterentwicklung heutiger Technologien erreichen, und wie wichtig sind Durchbrüche in der Forschung? SKS: Wir verfügen über ein enormes Potenzial der Emissionsreduzierung durch die Anwendung zuverlässiger herkömmlicher Technologien. Allerdings braucht es innovative Technologien, um das Ziel zu erreichen, die Kohlenstoffmenge in der Atmosphäre konstant zu halten. Darum ist es so wichtig, unser Augenmerk auf Grundlagenforschung und Innovationen zu richten und nicht allein auf technische Weiterentwicklung. Das ist einer der Gründe, warum wir 2002 das GCEP (Global Climate and Energy Project) an der Universität Stanford ins Leben gerufen haben. Welche Technologie verspricht Ihrer Meinung nach den größten Erfolg? SKS: Wunderlösungen gibt es derzeit keine. Es gibt viele interessante Optionen, aber Forschung und Entwicklung sind weiterhin notwendig, um festzustellen, ob diese in großem Maße auch bezahlbar und wirksam anwendbar sind. Unter den neuesten Technologien ist die Abspaltung und Einlagerung von Kohlenstoff viel versprechend. Vor allem deshalb, weil viele Unternehmen, auch ExxonMobil, über Erfahrungen im industriellen Maßstab mit den beteiligten Einzeltechnologien verfügen. Dennoch gibt es offene Fragen, was die Tragfähigkeit anbelangt. ExxonMobil unterstützt weltweit Forschungsvorhaben auf diesem Gebiet, zu denen auch die Beteiligung am CO2ReMoVe Projekt der Europäischen Kommission zählt. Die meisten der langfristig angelegten Studien zur Risikominderung kommen zu dem Schluss, dass mehr Atomenergie erforderlich sei, um einem rapiden Kostenanstieg entgegen zu wirken. Vor welchen Herausforderungen steht ExxonMobil bei der Verringerung der Emissionen bei den eigenen Anlagen? SKS: Wie jeder Großverbraucher haben wir uns lange Zeit auf die Verbesserung der Energieeffizienz konzentriert und die wirtschaftlichsten Lösungen bereits umgesetzt. Andererseits nimmt die Nachfrage nach unseren Produkten weiterhin zu, so dass Erfolge bei der Effizienzverbesserung durch eine steigende Produktion relativiert werden. So stiegen im letzten Jahr unsere CO2-Emissionen insgesamt um fünf Prozent - und das, obwohl wir in unseren Anlagen Maßnahmen umgesetzt haben, die die Emissionen um zwei Millionen Tonnen gesenkt haben. Um diesen Herausforderungen zu begegnen, arbeiten wir intensiv an weiteren Fortschritten - bei der Energieeffizienz ebenso wie bei der Verringerung von Fackelgasen. In unserem Umweltschutz-Programm "Protect Tomorrow. Today." finden sich Zielvorgaben für beide Bereiche. Warum konzentrieren Sie sich so stark auf die Verbesserung der Energieeffizienz zur Emissionsverringerung? SKS: Energieeffizienz reduziert die Emissionen, verbessert die Verfügbarkeit der Ressourcen, reduziert die operativen Kosten und trägt dazu bei, Energie kostengünstiger zur Verfügung zu stellen. Bei der Entwicklung von langfristigen Lösungen vermeidet eine effiziente Energienutzung zunächst einmal Emissionen. So haben die seit 1999 eingeleiteten Maßnahmen zur Verbesserung der Energieeffizienz bei unseren Anlagen allein im vergangenen Jahr zu einer Einsparung von acht Millionen Tonnen CO2 geführt. Das entspricht einer Stilllegung von 1,5 Millionen Fahrzeugen in den USA. Durch unsere Investitionen in die energiesparende Kraft-Wärme-Kopplung haben wir 2006 außerdem über zehn Millionen Tonnen an CO2-Emissionen einsparen können. Eine Menge, die der Stilllegung von weiteren zwei Millionen US-Fahrzeugen entspricht. Wie wichtig sind Verbesserungen bei den Emissionen an den Fahrzeugen selbst? SKS: Fahrzeuge, einschließlich LKW, sind für etwa 20 Prozent der weltweiten CO2-Emissionen verantwortlich - und die Zahl der Fahrzeughalter in den Entwicklungsländern nimmt rasch zu. Die durch Fahrzeuge verursachten Gesamtemissionen sind um ein Vielfaches höher als die Emissionen der Anlagen, die die Kraftstoffe herstellen. Daher sind die durch Fahrzeuge verursachten Emissionen ein wichtiger Schwerpunkt. Hier spielen neue Technologien wie die Hybridmotoren eine Rolle. Auch die Effizienzverbesserung konventioneller Antriebssysteme ist wichtig. Wir arbeiten gemeinsam mit Fahrzeug- und Motorenherstellern an Programmen, durch die eine bis zu 30-prozentige Einsparung bei den Kraftstoffen erzielt werden kann. Zugleich forschen wir an längerfristigen Lösungen für Fahrzeuge, etwa auf dem Gebiet der Wasserstofftechnologie. Bietet Ethanol Möglichkeiten zur Einsparung von CO2 bei den Transportkraftstoffen? SKS: Als einer der weltweit größten Beimischer von Ethanol kennen wir die Möglichkeiten des Produkts sehr gut. Ethanol besitzt im Vergleich zu Benzin einen um 30 Prozent geringeren Energiegehalt. Man benötigt also mehr davon, um dieselbe Strecke zurückzulegen. Für die Gewinnung von Ethanol auf der Grundlage von Getreide sind Ackerflächen, Wasser und Düngemittel in großem Umfang notwendig. Dies kann die Preise für Lebensmittel und Getreideprodukte beeinträchtigen. Außerdem wird sehr viel Energie benötigt für Düngemittel, Anbau, Ernte, Verarbeitung und Vertrieb. Deshalb hängen die tatsächlichen CO2-Einsparungen von den verwendeten Methoden ab. Ein weiterentwickeltes Ethanol auf Zellulose-Basis könnte möglicherweise einige oder alle dieser Hindernisse überwinden. Aber es braucht technologische Innovationen. Während Ethanol also gewisse Perspektiven bietet, hängt doch viel von der Verbesserung der landwirtschaftlichen Ausbeute beim Ausgangsprodukt ab, und wir sind weit davon entfernt, die Aussichten des Kraftstoffs auf lange Sicht einschätzen zu können.
SKS: Wind- und Solarenergie sind viel versprechend, doch beim heutigen Stand der Technik können diese Energien keinen nennenswerten weltweiten Beitrag leisten. Größere technologische Durchbrüche sind erforderlich, wenn diese Energieformen mehr als nur einen geringen Teil des weltweiten Bedarfs abdecken sollen. Im Rahmen von GCEP wird Grundlagenforschung betrieben, um Barrieren bei der Weiterentwicklung einer Reihe neuer Energietechnologien zu überwinden, auch auf dem Gebiet der erneuerbaren Energien. Wir suchen weiterhin nach Lösungen, wo unsere Expertise beitragen kann, eine neue Energietechnologie in großem Maße nutzbar zu machen. GCEP läuft jetzt seit vier Jahren. Hat es bereits Durchbrüche in der Forschung gegeben? SKS: Die Forschung bei GCEP bewegt sich im Bereich der langfristigen Grundlagenforschung. Dort rechnet man nicht mit verfrühten "Heureka" Rufen. Aber bei einigen Technologien sind Fortschritte zu verzeichnen, und eine Reihe von Patenten wurde bereits angemeldet. Die Arbeit dort hilft, Prioritäten bei Forschungsgebieten zu erkennen und Einschränkungen einzelner Technologieoptionen aufzuzeigen. GCEP ist es gelungen, einige der weltweit führenden Wissenschaftler für die Fachrichtung Energie zu interessieren. Außerdem fördert das Projekt junge Wissenschaftler, ein wichtiger Schritt bei der enormen Herausforderung einer Suche nach Wegen zur zukünftigen Deckung des weltweiten Energiebedarfs bei deutlich geringeren Emissionen. Was sind Ihrer Meinung nach die größten Herausforderungen für die Akteure der Klimapolitik? SKS: Politische Entscheidungsträger haben es mit einer komplexen Vielzahl von Faktoren zu tun. Da sind die schwer berechenbaren langfristigen Auswirkungen von Emissionen, die Unsicherheiten bei den Kosten der Emissionsreduzierung, der globale Handlungsbedarf und die langfristige Auslegung dieser Thematik. Der Klimawandel wird uns über Jahrzehnte beschäftigen. Eine Dauer, die über jede noch so lange Amtszeit hinausgeht. Im Laufe der Zeit werden wir unsere Kenntnisse in der Klimaforschung vertiefen und von den Erfahrungen mit den eingeleiteten Maßnahmen profitieren. Deshalb ist es wichtig, dass Politiker nicht nur kurzfristige Erfolge erzielen, sondern vernünftige Modelle entwickeln, die einen langfristig angelegten Umgang mit dem Thema gewährleisten. Welche Prioritäten sehen Sie für die Politik? SKS: In erster Linie meine ich, dass eine Politik, die vereinheitlichte und vorhersehbare Kosten für Kohlenstoff, oder CO2, für die gesamte Wirtschaft etabliert, auf wirksamste Weise Ergebnisse bringen wird. Der freie Markt wird auf dieses transparente Kostensignal reagieren. Das ist der beste Antrieb für die Auswahl und Umsetzung von Technologien zur Emissionsreduzierung. Es ist zudem wichtig zu erkennen, dass keine nationale Politik Einfluss auf ein globales Problem wie dieses nehmen kann, ohne die internationale Beteiligung zu fördern. Darüber hinaus sollten politische Maßnahmen transparent sein und nicht durch bürokratische Hürden behindert werden. Und sie müssen einem veränderten Kenntnisstand der Risiken angepasst werden können. In der letzten Zeit wurde viel darüber diskutiert, ob ein System des Handels mit Emissionsrechten oder eine Besteuerung des CO2-Ausstoßes die bessere Lösung ist. Was meinen Sie? SKS: Wir treten weder für die eine noch die andere Strategie ein, denn bei beiden können ungenügend ausgearbeitete Modelle negative Konsequenzen nach sich ziehen. Es ist wichtig, die grundlegenden Vor- und Nachteile des jeweiligen Ansatzes zu sehen. Der Emissionsrechtehandel funktioniert wie ein System zur Rationierung. Die Verringerung der Emissionen ist definiert, aber der Preis der Umsetzung ist unsicher. Diese Unsicherheit kann abschreckend auf Investitionen wirken und der Zuteilungsprozess eine politische Herausforderung darstellen. Eine Besteuerung von CO2 bietet im Gegensatz dazu Planungssicherheit bei den Energiekosten, garantiert jedoch nicht den Umfang der Emissionsreduzierung. Die wirtschaftliche Auswirkung von Steuern hängt stark davon ab, wie diese Einkünfte verwendet werden. Beide Ansätze könnten negative Auswirkungen auf den wirtschaftlichen Wettbewerb haben, wenn Staaten nicht zusammenarbeiten. Welche Rolle spielt der Verbraucher beim Umgang mit den Risiken des Klimawandels? SKS: In den USA werden etwa 40 Prozent der auf den Energiesektor zurückzuführenden Kohlenstoff-Emissionen durch jene Energie verursacht, die Menschen daheim oder auf den Straßen verbrauchen. Mit unserer Entscheidung, wie wir leben oder reisen, können wir bedeutenden Einfluss auf die Emissionen nehmen. Letztendlich spielen alle, die Wirtschaft, die Politik und die Verbraucher eine Rolle beim Umgang mit dieser Herausforderung. Nur durch die gemeinsame Suche nach Lösungen, die Umweltschutz mit wirtschaftlicher Entwicklung vereinbaren, können wir Erfolge erzielen. |
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