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Preis für Hamburger Privat Theater
Pegasus Preis 2010

Pegasus Preis 2010 für das Hamburger Opernloft

Inken Rahardt, Yvonne Bernbom und Susann Oberacker ist als Leitungstrio des Hamburger Opernlofts gelungen, die Idee und das Konzept eines alternativen Hauses für Kinder, Jugendliche und Operneinsteiger durchzusetzen. Mit der „OperaBreve“, der 90-Minuten-Oper in modernem Gewand, hat das Team frech, aber nicht respektlos eine innovative, populäre und in Hamburgs Privattheater-Szene einzigartige Musiktheater-Form etabliert: Die bekannten Werke der Musikdramatik werden radikal auf ihren Kern reduziert, in die alltägliche Erlebniswelt übertragen und mit aktueller Aussage präsentiert.

2009, im Jubiläumsjahr von Georg Friedrich Händel, inszenierte Inken Rahardt „Tolomeo“, ein eher unbekanntes Werk des Komponisten. Auf den Historienkontext verzichtend, reflektierte der Zwist der Brüder um die begehrte Frau die Konflikte zwischen Künstlernatur und Managertypus, zwischen einer etablierten und neuen (Opern)Kunst. Die Jury begreift „Tolomeo“ als Paradebeispiel für das „Oper in Kurz“-Konzept, das schon die „Schulhof-Carmen“ überzeugend bestätigte: Rahardt verlegte den Bizet-Hit jugendnah in eine High-School, wo die Cheerleader-Prinzessin dem jungen Referendar José den Kopf verdreht und Escamillo, dem strammen Star im Football-Team, schöne Augen macht. Bizets orientalisches Eifersuchtsdrama „Die Perlenfischer“ ließ sie hingegen im Beach-Club spielen. Aber auch Svenja Tiedts Fassung und Inszenierung von Puccinis "La Bohème" unter jungen wilden Hippie-Künstlern bewiesen ebenso viel Originalität wie Tragikomik.

Zwar hat das Opernloft-Team die „heilige Kuh Oper“ nicht geschlachtet, doch in den Augen manch gestrenger Puristen zuweilen arg entweiht und in drei Jahren entschlossener Arbeit vom hohen Sockel gestoßen. Im Opernloft ist eine direkte, frische und ambitionierte Kunstform zu erleben - hautnah und vor allem anders: ohne Chor, ohne großes Orchester, ohne pompöse Dekorationen.

So betreibt das Opernloft Nachwuchsförderung in zweifacher Hinsicht: Die Auftrittsmöglichkeiten dienen jungen Talenten einerseits als „Sprungbrett“ und andererseits bringt es jungen Leuten die Oper nahe und zieht somit auch ein Publikum für die Staatstheater heran. Rahardt hat das Konzept der „Electr‘Opera“ entwickelt: Gemeinsam mit Profis treten Jugendliche für Gleichaltrige auf. So spielt „Lost Violet“ nach Verdis „La Traviata“ im Party- und Drogenmilieu der urbanen Club-Kultur.

Diese großartige, engagierte und angesichts der ökonomischen Risiken mutige aber wohl überlegte Leistung des Hamburger Opernlofts würdigt die Jury mit dem Pegasus Preis 2010 von ExxonMobil für Hamburger Privattheater.



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